Donnerstag, 24. Mai 2012

24. Eine Geschichte...

Heute habe ich eine Geschichte herausgesucht, die zum Nachdenken anregen soll. Es gibt so viel, was man in der Hunderziehung falsch machen kann. Aber diese Fehler liegen dann nie beim Hund, sondern immer am Menschen, der für den Hund verantwortlich ist.
Immer wieder hört/ man Geschichten, über "Bestien", die ohne jeglichen Grund auf Menschen losgehen.
Das ist Schwachsinn... ein Hund handelt nicht grundlos!
Wie oft werden Hunde nach selbigen Geschichten abgegeben, oder gar zur Euthanasie freigegeben, ohne nach Hilfe zu suchen, ohne nach dem Hintergrund zu fragen, ohne einen Ausweg zu suchen....

Angeregt durch eine andere Hundehalterin, möchte auch ich dazu beitragen klar zu machen, dass es nicht nur Sonnenschein gibt, wie es vielleicht auch auf meiner Seite den Anschein macht.
Die Anschaffung eines Hundes sollte mehr als gut überlegt sein, denn man muss viel Zeit, Geduld und vor allem Liebe in die Tiere investieren.
Man trägt Verantwortung, der man sich in jedem Fall bewusst sein muss!

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Wir sind allein im Zimmer, deine Mutter ist in Obergeschoss des Hauses. Ich mag dich, habe dich von Anfang an sehr gern gehabt. Ich nehme es dir nicht übel, dass du oft grob zu mir bist, du bist ja noch klein. Plötzlich findest du diesen Bürotacker, beginnst damit zu spielen. Du bist ja noch so klein, so neugierig, willst alles ausprobieren. Du tackerst Papier zusammen, jauchzt vor Freude. Ganz selten beschäftigt sich jemand mit dir, armes Kind, das musst du meist selbst machen, sie wollen nur ihre Ruhe haben ...
Dann kommst du auf mich zu, mit dem Tacker in der Hand. Deine kleine Kinderhand greift nach meinem Schlappohr, und ... AU! Das hat weh getan! Ich jaule auf, doch du verstehst es nicht. Bist ja noch so klein, für dich ist es nur ein Spiel. Du greifst wieder nach meinem Ohr, ich will fliehen, doch wir sind in dem kleinen Zimmer eingesperrt. Du tust es wieder, wieder jaule ich laut auf, unter dem Schmerz. Du verstehst es nicht, denkst es wäre ein Spaß, ein lustiges Spiel. Ich bin dir nicht böse, du bist ja noch so klein. Du tust es wieder und wieder und wieder, ich kann dir nicht entkommen. Mein lautes Jaulen schallt durchs ganze Haus, doch niemand kümmert sich darum.
Wo ist deine Mutter? Warum läßt sie uns wieder so lange allein? Warum hört sie mein Jaulen, meine verzweifelten Hilfeschreie nicht? Du rennst hinter mir her, drängst mich in die Ecke, tust es wieder. Wieder jaule ich gequält auf, dieses Mal noch lauter als zuvor.
„Halt endlich die Schnauze du Scheißköter!“, hallt die Stimme deiner Mutter durchs Treppenhaus. Sie nennt mich immer so, sie mag mich nicht besonders. Eigentlich hat sie mich nur gekauft, damit du etwas zum Spielen hast, und sie in Ruhe lässt. Sie will immer nur ihre Ruhe haben. Sie mag sich nicht um dich kümmern, und sie mag sich erst recht nicht um mich kümmern.
Mein Ohr schmerzt, doch du lässt nicht von mir ab. Was soll ich nur tun? Ich will dir nicht wehtun, weiß du meinst es micht böse. Du verstehst es nicht, weil dir niemand beigebracht hat, dass man Tiere nicht zum Spaß quälen darf. Niemand hat dir je beigebracht, dass auch ich Schmerzen empfinde. Sie wollen nur ihre Ruhe haben ...
Wieder spüre ich diesen stechenden Schmerz, er macht mich rasend. Wieder versuche ich zu entkommen, doch es glingt mir nicht. Ich will dir nicht wehtun, ich liebe dich doch! Du tust es wieder und immer wieder, der Schmerz wird unerträglich. Doch du hörst nicht auf, jagst mit eine Klammer nach der Anderen ins Ohr. Du kannst nichts dafür, du weißt nicht was du tust. Du bist ja noch so klein, verstehst es nicht. Schließlich kann ich nicht mehr, halte die Schmerzen nicht länger aus. Ich schnappe nach dir, mein Fangzahn streift dich an der Wange. Wir halten beide erschrocken inne, sehen uns einen Moment in die Augen. Ich wollte dich nicht verletzen, wollte nur dass es aufhört ...
Du greifst dir mit deiner kleinen Hand an die Wange, und als du das Blut an ihr siehst, beginnst du zu schreien. Plötzlich geht alles ganz schnell. Deine Mutter kommt, reißt dich an sich. Dein Vater kommt, tritt brutal auf mich ein und schleift mich ins Auto. Er bringt mich zum Tierarzt. „Sofort einschläfern, die Töhle hat mein Kind gebissen!“, brüllt er aufgebracht. Der Tierazt kennt mich, er wundert sich, kann kaum glauben, dass ich das wirklich getan haben soll. Tränen schiessen ihm in die Augen, als er die annähernd 100 Heftlammern in meinem Ohr sieht. Er streichelt mir sanft über den Kopf, dann greift er zur Spritze. Er muss es tun, ist dazu verpflichtet ...
Morgen werde ich die Sonne nicht mehr aufgehen sehen. Aber ich werde berühmt sein. Auf den Titelblättern aller großen Zeitungen wird mein Foto stehen. Darüber wird in großen Buchstaben geschrieben sein: „HUND ZERFLEISCHT KIND!“ In den Artikeln wird es heißen: „Schon wieder fiel ein vermeintlich braver Familienhund grundlos ein Kind an und verletzte es schwer im Gesicht...“ Vielleicht wird die Geschichte sogar im Fernsehen diskutiert. Viele Menschen werden dann entsetzt aufschreien, hitzig diskutieren, einige werden fordern, dass alle Hunde für immer eingesperrt werden sollten.
Aber niemand wird sagen was genau geschah, denn das interessiert nur ganz wenige. Deine Eltern haben es den Medien so erzählt, und die waren sehr froh darüber. Die Menschen lieben Geschichten über wilde Bestien, das bringt gute Auflagen und gute Einschaltquoten. Gute Auflagen & Einschaltquoten bringen viel Geld, und das lieben die Menschen noch viel mehr. Ich habe die Menschen geliebt. Ich habe dich geliebt ...
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Ich schrieb diese Geschichte, weil mich die Aussage eines Tierarztes nicht mehr losließ, derzufolge vor einiger Zeit tatsächlich ein Hund mit annähernd 100 Tackerklammern im Ohr zum Einschläfern in seiner Praxis abgegeben worden sein soll. Der aufgebrachte Vater hatte empört erklärt, der Hund habe „ohne jeden Grund“ das Kind der Familie gebissen. Laut Aussage des Tierarztes, waren sich die Eltern keiner Schuld bewußt. Sie sahen die alleinige Schuld beim Hund. Das Kind wurde glücklicherweise nur leicht verletzt - die Wunde war nach wenigen Tagen ohne Narbe verheilt. Der Rest der Geschichte ist frei erfunden, Ähnlichkeiten mit wahren Begebenheiten sind rein zufällig. Sie ist diesem Hund gewidmet.

Lydia Schweigert

Kommentare:

  1. Zuallererst: Ich finde es gut, dass du mir folgst, auch über die "grauen" Tage zu schreiben. Entweder man sieht in einem Hund einen netten Spielkameraden oder aber ein gefährliches Tier, was nicht ungescholten davon kommen soll. Hunde sind aber weitaus mehr und ich denke die richtige Einschätzung trifft sich in der Mitte. Ein Hund wird erst zu dem gemacht, was er ist, genauso verhält es sich mit Kindern. Dieses Kind aus der Geschichte wird wahrscheinlich nie verstehen, was es falsch gemacht hat. Ich saß schon als Baby neben einer Deutschen Dogge, aber NIE ohne Aufsicht. Im Garten hatten wir einen abgetrennten Bereich für uns Kinder, damit nichts passieren kann. Nicht, weil wir vor den Doggen beschützt werden mussten, sondern die Doggen vor uns. Kinder müssen den Umgang mit Tieren erst lernen und genau dafür sind die Eltern da. Mir war von Anfang an klar, dass ich meiner lieben Bessi keine Klicker in die Nase stecke, ihr am Ohr ziehe oder ihr Tasthaare ausreiße. Meine Eltern haben mir das beigebracht und ich denke, gerade in der heutigen Zeit, wo sich jeder selbstverwirklichen will - was ja auch gut ist - fehlt einfach die Zeit. Und wenn ich genau diese Zeit und Lust nicht habe, dann sollte ich mir eben auch kein Tier anschaffen! Ich finde es toll, dass du bei meiner "Aktion" ;) mitmachst und somit auch deinen Lesern klarmachst - ein Hund ist KEIN Spielzeug, Kinder können ungeahnt Gefahren auslösen; wenn ein Hund ein toller Begleiter werden soll, dann braucht es vor allem Eines: Zeit und Geduld.

    Liebe Grüße,
    - Lilly's Frauchen -

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  2. Danke für deinen ausführlichen Kommentar! das erklärt noch mal Vieles!
    Es ist schon schlimm, aus welchen absurden Gründen sich die Menschen heutzutage Hunde anschaffen.
    Ich brauch nur in meine Nachbarschaft schauen. hier geht kaum einer täglich Gassi. Der Schäfi neben uns kläfft, wenn wir nur die Haustür öffnen. Er scheint sich fast ausschließlich in seinem Zwinger aufzuhalten. Der Beagle gegenüber kläfft ebenfalls, wenn er mal aus dem Haus darf.
    Das ist keine Lösung!!! Das ist einfach Faulheit der Menschen, zusammen mit dem Hund etwas daran ändern zu wollen. Dafür fehlt die Zeit... Und so kläffen sie und werden ständig angeschnauzt, dass sie endlich Ruhe geben *kopfschüttel*

    Danke nochmals!

    Liebe Grüße!

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